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Ich traf viele interessante Menschen

Ich habe zwei große Leidenschaften – die Fliegerei und den Amateurfunk. Mit gutem Gewissen kann ich sagen, dass diese beiden Leidenschaften aus mir einen glücklichen Menschen gemacht haben. Die Erste wurde zu meinem Beruf und die Zweite füllt meine Freizeit aus.
Ich wurde in einem kleinen Dorf in der Nähe von Lublin im Südosten Polens in den frühen 50er Jahren geboren. Es ist schwer zu sagen, wofür ich mich zuerst interessiert habe, die Luftfahrt oder die Funktechnik. Es war wahrscheinlich die Luftfahrt, weil immer wenn ich ein Flugzeug hörte, lief ich hinter unsere Scheune und winkte heftig den Piloten zu.

Der einziger Kontakt zur Technik war zu dieser Zeit ein Lautsprecher, der in unserem Haus an der Wand hing und aus dem nicht näher definierbare Musik zu hören war. Als ich in der fünften Klasse der Grundschule war, begann mich der Lautsprecher magisch anzuziehen. Also unternahm ich meine ersten technischen Experimente mit dem Ergebnis, dass ich von meinem Vater einer Tracht Prügel bekam für die Zerstörung der modernsten Haustechnik. Zu einer noch größere Herausforderung wurde etwa ein halbes Jahr später das erste Röhrenradio, das bei uns auftauchte. Es war schon etwas Besseres als der Lautsprecher: nicht nur, dass es sich ausschalten ließ, sondern ich konnte entscheiden, was ich hören wollte.
Ab diesem Zeitpunkt bagann ich alles zu lesen, was mir zum Thema Funktechnik in meine Hände fiel und in meinem Kopf etablierte sich die Überzeugung, dass, wenn ich schon zur Schule gehen muss, dann sollte meine Ausbildung etwas mit der Elektrotechnik zu tun haben. Im letzten Jahr der Grundschule wusste ich schon einiges über Radios, und versuchte sogar, eins selbst zu bauen. Die technischen Möglichkeiten waren damals in einem kleinen Dorf noch sehr begrenzt.

Nach dem Abschluss der Volksschule und der bestandenen Aufnahmeprüfung für das staatliche Telekomunikationstechnikum Nr. 2 in Lublin begann für mich nicht nur die langersehnte Fachausbildung, sondern auch die ersten Erfahrungen im Internatsleben. Der Boss auf unserer Internatsetage war Andrzej Oreczuk, SP8DHN. Alle Mitbewohner hatten vor ihm großen Respekt, was daran lag, dass er Judoka war und niemand sich mit ihm anlegen wollte. Ich war der Gruppenjüngste und dadurch auch der sprichwörtliche Prügelknabe. Es änderte sich aber sehr schnell als SP8DHN hörte, dass ich Interesse am Amateurfunk habe und gerade mit einem Ausbildungskurs an der Clubstation SP8KAF begonnen habe. Mein Rang in der Internatsgruppe hat sich ab diesem Zeitpunkt wesentlich verbessert. Andrzej, zu dem ich immer noch im engen Kontakt stehe, hatte bereits einen kleinen Home-Made-Empfänger, mit dem Stationen zu hören waren. Zum ersten Mal hörte ich richtigen Amateurfunkverkehr, der damals auf AM und CW begrenzt war, da zu diesem Zeitpunkt SSB in SP noch keine große Rolle spielte.

Im Jahr 1970 schloss ich den Kurs ab und nach bestandener Prüfung bekam ich meine lang ersehnte KW-Lizenz und ich wurde ein glücklicher Besitzer des Calls SP8EWX. Einer der Teilnehmer in diesem Kurs war Maciek Rozmilowski, jetzt WQ7X, der mich bis heute regelmäßig besucht.
In der 4. Klasse des Technikums nutzte ich eine einmalige Gelegenheit und kaufte einen alten BC-104 Empfänger, der noch aus dem zweiten Weltkrieg stammte. Dadurch hatte ich mein eigenes „Fenster zur Welt”. In meinem Elternhaus hängte ich eine G5RV-Antenne auf. Sonntags und während der Schulferien führte ich meine ersten Hörversuche durch. Sie fielen in eine Zeit erhöhter Ausbreitungsbedingungen, so konnte ich mit meinem einfachen Gerät praktisch alle Länder hören. Zum vollständigen Glück fehlte nur noch ein Sender. Ich versuchte zwar etwas zusammen zu bauen, aber ohne jegliche praktische Erfahrung im Senderbau und ohne Messgeräte war es für mich so gut wie unmöglich.
Eines Tages brachte mich mein Freund Heniek, SP8GUV (jetzt SP2GUV) zum Roman, SP8ARK (sk). Auf diese Weise lernte ich einen außergewöhnlicher Menschen kennen. Roman saß im Rollstuhl, denn durch eine schwere Krankheit verlor er beide Beine. Trotzdem war er ein sehr fröhlicher Mensch. Er verfügte über eine lange Erfahrung im Bau von Funkgeräten und war immer bereit, sein Wissen mit anderen OMs zu teilen.
„Mein Junge, pack alles ein, was du gebaut hast und bring es zu mir. Mal sehen was man daraus machen kann” sagte er einmal zu mir.
Es war im Dezember 1972, kurz vor Weihnachten. Ich erschien bei ihm an einem späten Nachmittag mit meiner "Apparatur". Er sah es an, schüttelte den Kopf und demontierte so ziemlich alles, was ich gebaut hatte. „Ich mach es so, wie ich es immer gebaut habe“ fügte er hinzu, als er meinen verwirrten Gesichtsausdruck sah.

Er baute für mich einen Zwei-Band-CW-Sender. Für mehr Bänder fehlte nicht nur der passende Umschalter, sondern auch eine passende Lizenz, denn ich hatte damals noch eine "Anfänger Genehmigung" für 80 und 40 m. In der Endstufe arbeitete eine EL-34 Röhre mit ca. 20 W Input. Ich versuchte direkt nach dem Zusammenbau das erste QSO zu machen und war überglücklich, als nach einem kurzen CQ-Ruf eine Station antwortete. Es ist spät geworden und der letzte Bus war längst weg. Ich musste also im dichten Schneetreiben die 10km zu Fuß laufen. Der Weg kam mir länger als sonst vor, denn ich konnte nicht abwarten, den Sender an meine Antenne anzuschließen.

Zu Hause gab es Ärger, weil ich meinen Eltern nicht sagen konnte, ich hätte mein Handy vergessen. Es gab damals noch keine Hi. Wer hätte damals geglaubt, dass, wie einige OMs heute sagen, der beste Weg um ein QSO anzubahnen, ist einen OM anzurufen und zu bitten, das Funkgerät einzuschalten.
Zu Hause schaltete ich meinen neuen Sender ein und machte das erste QSO mit SP5GIQ.

Im fünften Schuljahr auf dem Technikum hatte ich bereits eine 50W Lizenz und mit Hilfe des immer hilfsbereiten Roman, SP8ARK gelang es mir, 3 russische GU-50 Röhren inklusive der sehr gesuchten Sockel zu organisieren. Diejenigen, die diese Zeiten erlebt hatten, wissen, wie schwer es damals war, so etwas zu besorgen.

Ich baute mit diesen 3 Röhren meine erste PA. Ich hatte dabei nur ein Problem: die Anzeige meines Spannungsmessers endete bei 800V wodurch ich keine Möglichkeit hatte, die tatsächlich anliegende Anodenspannung zu messen. Es störte mich aber nicht so sehr, dass ich meine tatsächliche Ausgangsleistung nicht kannte. In diesem Fall half mir ein Zufall, der letztendlich glücklich für mich endete und nicht mit dem Verlust der Afu-Lizenez.
Das Fach „Sendertechnik“ unterrichtete damals der Chef der Funküberwachung aus Lublin. Er war ein anerkannter Fach auf diesem Gebiet und es war nicht verwunderlich, dass wir im Unterricht auch öfters über den Amateurfunk gesprochen hatten.

Aufgrund der recht beachtlichen aber mir immer noch unbekannten Ausgangsleistung meines Senders hatte ich keine Probleme alle gehörten Stationen zu erreichen. Alles wäre wahrscheinlich gut gegangen, wäre ich nicht nur von den Gegenstationen sondern leider auch von der staatlichen Funküberwachung gehört worden.
Wer damals aktiv war, weiß, wie intensiv die Amateur-Bänder überwacht wurden.

Eines Tages, als ich zu Hause war, klopften an unserer Tür 2 freundliche Herren und fragten, ob ein gewisser Marian Rybczynski, SP8EWX hier wohnt. Als ich bejahte, wiesen sie sich als Mitarbeiter des Funkkontrollmeßdienstes aus. Ich zeigte ihnen meine Lizenz und meine Station.
„Wie viel Watt gehen aus dieser Kiste raus?“ fragte der eine Herr und klopfte bedeutungsvoll auf meine Endstufe mit den 3 GU-50.
„Ich weiß es nicht genau, aber es müssten ca. 80 Watt sein“ sagte ich leicht unsicher, denn auch diese 80W waren mehr als die erlaubten 50.
„Hätte dein Lehrer diese Antwort gehört, hättest du eine glatte 6 bekommen. 3 mal GU 50 ... und 50 W Output, ha, ha! Sagten Sie nicht, Sie wären in der Abschlussklasse des Telekomunikationstechnikum? Was lernt ihr dort eigentlich?“
Meine Antwort war nur ein leichtes Kopfschütteln und ich fügte leise hinzu:
„Eigentlich habe ich keine Ahnung. Es liegt aber daran, dass ich die Anodenspannung nicht messen kann“ .
„Das kling schon besser“ sagte der freundliche Herr.
„Arbeitet die PA denn wenigstens linear?“ fragte er plötzlich interessiert.
„Keiner meiner Nachbarn hat sich beschwert“ antwortete ich wahrheitsgemäß.

Das Ergebnis der Leistungsmessung war für mich niederschmetternd und doch erfüllte sie mich mit Stolz: meine Endstufe kam auf über 300W Input. Meine Apparatur wurde versiegelt und meine Lizenz eingezogen. Die Herren verabschiedeten sich sehr höflich, wünschten mir ein frohes Weihnachtsfest, und verließen unser Haus.

Nach den Weihnachtsferien im Unterricht der „Sendertechnik“ sagte mein Professor zu mir: „Rybczynski, ich glaube, in meiner Dienststelle ist Ihr Namen im Zusammenhang mit einer Leistungsüberschreitung gefallen.“
„Kann das sein?“ fügte er mit einem Grinsen hinzu.
„Genau, Herr Professor, Ihre Kollegen haben mich besucht und meine Geräte versiegelt. Was soll ich machen?“
„Du hast Glück, dass du ihnen die Wahrheit gesagt hast, sonst hätte ich nie zugegeben, dass du mein Schüler bist“
„Was soll ich jetzt tun? Gibt es doch noch einen Ausweg“ fragte ich ihn nach dem Prinzip, dass die Hoffnung zuletzt stirbt.
Mein Professor holte aus seiner Tasche einige Blätter.
„Setz dich hin und beantrage eine 250W-Lizenz“ sagte er und drückte in meine Hand einige Formulare .
„Dafür habe ich noch nicht alle Bedingungen erfüllt“ antwortete ich ziemlich verunsichert.
Der Professor sah mich an und wackelte verständnislos mit dem Kopf.
„Ich dachte, ich hätte hier mit einem intelligenten Menschen zu tun. Zerstöre bitte nicht meine Illusion.“ Erst jetzt habe ich ihn verstanden. Ich ergriff schnell die Dokumente und kehrte auf meinen Platz zurück.
Er rief mir hinterher: „Du gibst mir die ausgefüllten Anträge in der Pause zurück“
Das Thema war damit beendet. Nach einem Monat wurde ich ein stolzer Inhaber einer 250W-Lizenz. Jetzt fühlte ich mich wie ein „richtiger“ OM.

Nach dem Abschluss als Techniker wurde ich Fähnrich an der Offiziersschule der polnischen Luftwaffe. Ich beendete sie 1978 als Jet-Pilot. Ich erinnere mich an eine lustige Gegebenheit aus dieser Zeit. Im ersten Ausbildungsjahr hatten wir Telegrafie-Unterricht d.h. "Di Dah Di Dah" hören. Die Begeisterung der Teilnehmer hielt sich in Grenzen, und die meisten Schüler versuchten eher eine Methode zu erfinden, wie sie die CW-Prüfung mit möglichst wenig Lernaufwand bestehen können. In den ersten Stunden war mir sehr langweilig, weil die Zeichengeschwindigkeit "rasante" 25 BpM betrug. Ich konnte schon damals Tempo 125 felhlerfrei hören. Ich gähnte mehrmals demonstrativ. Der diensthabende Feldwebel bemerkte es recht schnell, und fragte mich, warum ich nur dumm rum sitze anstatt die Punkte und Striche aufzuschreiben. Ich antwortete, dass es für mich zu langsam ist.

„Können Sie schneller morsen?“ fragte er ohne seine Verwunderung zu verstecken.
„Ja, ich kann“ war meine Antwort und einen Augenblick später, gab ich einige Texte aus der Tageszeitung mit ca. 100 BpM durch.
„Wie ist dein Rufzeichen?“ wollte der Ausbilder wissen.
„SP8EWX“ antwortete ich.
„Hau bloß schnell ab und ich will dich hier nicht mehr sehen, sonst demotivierst du deine Kameraden. Zur Prüfung brauchst du auch nicht zu kommen“ sagte er mir zum Abschied.

Ich habe aber trotzdem an der Abschlussprüfung teilgenommen. Erstens, weil in der Prüfungskommission anderer Prüfer saßen und zweitens, weil einiger meiner Kollegen auf meine Hilfe zählten. Ich schrieb auf 5 Blättern gleichzeitig und ließ noch 4 Freunde abschreiben. Mit dieser Methode hatten alle Teilnehmer aus meiner Gruppe bestanden. Nach dem Abschluss der Flugschule in Deblin wurde ich zuerst nach Poznan, und dann nach Lask im 7en Distrikt versetzt. Dadurch hat sich mein Call verändert und aus SP8EWX wurde SP7EWX.

Eines Tages sah ich dort auf einem Neubau eine W3DZZ Antenne. Ich klopfte an die Tür und es begrüßte mich Andrzej Dobrynin, SP7IXT. Wir wurden schnell Freunde. Andrzej ist eine sehr energische Person. Durch seinen unermüdlichen Einsatz bekam ich nach dem Ende des Kriegsrechts in Polen recht schnell meine Lizenz und sogar mein altes Rufzeichen wieder.

Beim Andrzej traf ich auch Jozek, SP7BAD der meinen selbstgebauten TRX vom Typ Bartek durch einige Umbauten deutlich verbessern konnte. So manche Nacht verbrachten wir zusammen und bauten an unseren Geräten. Leider führte es dazu, dass meine Frau angefangen hat, mich zu verdächtigen, dass hier nicht nur der Amateurfunk im Spiel ist. Frauen können einfach nicht verstehen, dass ein OM ganze Nächte nur mit seinem Radio verbringen kann.

Nach einiger Zeit wurde meine Station um eine neue PA erweitert, die ich zu Ehren meiner XYL Barbara nannte. Mein Logbuch füllte sich recht schnell. Ich erweiterte meinen Homemade Transceiver um das 20m Band und begann mit den ersten DX-QSOs. In dieser Zeit begann ich sehr intensiv Englisch zu lernen. Ich erinnere mich an ein QSO mit einer Station aus DL. Nachdem ich mein QTH genannt hatte, sagte der OM, dass er es kennt. „Da wo du lebst gibt es eine Air Base auf der u.a. russische MIG-21 Flugzeuge stationiert sind“ Es verschlug mir die Sprache, und ich konnte nur kurz entgegnen, dass ich von Zeit zu Zeit ein Flugzeug über meiner Stadt sehen kann. Sein Kommentar war „Vor ein paar Jahren, wurden dort libyschen Piloten trainiert“
Für eine Weile war ich sprachlos bekam vor Angst Gänsehaut und beendete unmittelbar das QSO. Ich frage mich, ob unser Gespräch von der Funküberwachung mitgehört wurde?

1986 begann ich für die polnische Fluglinie LOT zu arbeiten. Mit diesem Job fing auch eine neue Etappe meines Funkerlebns.
Im Jahr 1989 wurde ich Flugkapitän und begann auf internationalen Strecken zu fliegen. Ich lieh von einem Freund einen 2m FM-TRX FT204, um das Funken in der Luft auszuprobieren. Ich tat es illegal, weil von der Arbeit als /mm zur dieser Zeit noch nicht einmal geträumt werden durfte.
Erlaubt war damals gerade noch das Funken aus einem Auto. Nach dem Start, auf einer Höhe von etwa 5000 Meter, rief ich auf 145,550 MHz CQ als SP7EWX / m. Es antwortete eine Station aus der Nähe von Danzig und nach dem Austausch der Rapporte fragte mich der OM nach meinem QTH. Ich antwortete, dass ich in der Nähe von Skierniewice war, verschwieg ihm aber meine Flughöhe. Er wunderte sich noch mehr, als ich sagte, dass ich mit 1 W Ausgangsleistung arbeite. Die nächste Frage nach meiner Antenne löste bei mir etwas Konfusion aus. Ich sagte ihm, dass ich bisher nur auf Kurzwelle gefunkt hatte und die Antenne nicht genaue kenne, weil meine Gerätschaften nur ausgeliehen sind. Kurz nach diesem QSO bildete sich auf der QRG ein beachtliches Pile-Up und mich riefen viele weit entfernte Stationen an. Ich war richtig erschrocken und hörte auf, die Anrufe zu beantworten. Noch etliche Minuten danach herrschte auf der Frequenz ein Chaos. Ich hörte noch jemanden fragen: hast den SP7EWX gehört? Schalte deine PA ein es muss Sporadic E zu sein.
Einige Monate später wurde das Funken als "Air Mobile" legalisiert und ich musste mich nicht mehr verstellen.

1993 absolvierte ich in Neuseeland eine Ausbildung für die Boeing-767 und nahm wie immer meine Handfunke mit. Von meinem Freund Andrzej, SP5SS bekam ich die Adresse vom Zbyszko, ZL1BOU. Nach meiner Ankunft in ZL traf ich mich mit ihm und mit Adek Mrozowski, der später SQ5NA wurde. Zbyszek bereitete sich gerade für seinen nächsten Einsatz auf einer Bohrinsel vor und sollte erst nach meinem Abflug zurück kommen. So war es unsere einzige Begegnung, aber er hatte mir dabei viele wertvolle Informationen über Ham Radio in ZL zukommen lassen u.a., dass ich mit meinem polnischen Call in ZL auf UKW funken darf.

Ich rief auf einem der vielen Relais CQ und nach einer Weile antwortet ein OM, der mich nach dem Standartaustausch freundlich fragte: „Welches Land hat den Prefix SP“ „Polen“ war meine Antwort. „Wo liegt denn das?“
„In Europa“ befriedigte ich seine Neugier. Eine andere ZL-Station fragte dann noch: „Okay, aber wo ist dieses Europa?“
Dies war offensichtlich ein Witz, aber von New Zealand aus, liegt SP am anderen Ende der Welt.
Durch meinen Funkbetrieb auf den Relais lernte ich viele OMs kennen und einige davon besuchten mich in meinem Hotel. Wir wurden auch zu verschiedenen Meetings eingeladen, nicht nur für Funkamateur.
Durch die weltweiten Flüge auf der B767, hatte ich viele Gelegnheiten verschiedene OMs kennen zu lernen. Mit einigen von ihnen stehe ich bis heute im Kontakt. Sehr gerne erinnere ich mich an meine Begegnung mit OM Thame, E21CJN. Ich lernte ihn in einem VHF-QSO während eines Fluges nach Bangkok kennen. Direkt nach der Landung besuchte er mich in meinem Hotel und lud mich anschließen zu sich nach Hause ein. Danach hatte ich auch die Gelegenheit, von der Club Station HS0AC zu arbeiten.

Im Jahr 2000 begann ich für die Asiana Airlines zu fliegen, für die ich, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, bis heute arbeite. Vor meinem Arbeitsantritt in Korea, gelang es mir, ein paar QSO mit HL zu machen, wodurch die ersten Kontakte geknüpft wurden. Kurz nach der Ankunft in Seoul kontaktierte die HL1APF und HL2WA, die mir geholfen hatten, eine Lizenz zu bekommen und eine Antenne zu installieren
Zu dieser Zeit hatte ich noch keine CEPT-Lizenz, aber für meinem US Call: KB9LQG bekam ich ohne größeren Aufwand eine HL-Lizenz. Schwieriger war es mit einer Antennengenehmigung. Dazu schaltete Leo, HL1APF sogar den des Präsidenten der KARL (Korean Amateur-Radio-Leauge) ein. Der Aufbau selbst war kein Problem, da ich in jedem neuen QTH eine Wohnung in der obersten Etage miete.
Übrigens: die Hälfte der Koreaner lebt in Seoul und die meisten von ihnen in 15-stöckigen Gebäuden. Die Dächer dieser Blöcke sind groß und bieten genügend Platz für Antennen. Das einzige Problem ist, dass der Schlüssel zum Dach in der Verwaltung aufbewahrt wird. In diesem Land, wird alles sehr genau genommen und wenn etwas verboten ist, kann der Durchschnittsbürger nichts dagegen machen.

Unterstützt durch die Präsenz und die Autorität des KARL Präsidenten gingen wir zum obersten Verwalter der Siedlung. Als er hörte, dass es nur von ihm abhängt, welche Eindrücke der Kapitän der Asiana Airlines aus Südkorea nach Europa mitbringt, stand er stramm und nach einem Augenblick wurde ein Mitarbeiter mit der umgehenden Erstellung eines Zweitschlüssels beauftragt. Er übergab mir den Schlüssel und versicherte mir, dass ich mich mit allen Problemen direkt an ihn wenden kann. Er wird dann schon alles Notwendige veranlassen. Ob das alles so klappen würde, hatte ich meine Zweifel, weil die Kenntnisse der englischen Sprache in Korea noch schlechter als in Polen sind.

Noch am selben Tag stand auf dem Dach eine Multiband inverted V und ich konnte mit dem Funkbetrieb beginnen. Bei guten Bedingungen konnte ich auch einige SP erreichen. Ich schaffte sogar mit 100 Watt ein QSO mit SP auf 80 Meter, aber es war nicht überraschend, weil Jurek, SP3GEM über die größten Low-Band Antennen in SP verfügt.

Einige Wochen nach meiner Ankunft in Seoul gab dort es ein Treffen des lokalen DX Clubs. Ich hatte gerade frei und konnte die Einladung einnehmen. Der Mitbewohner im Doppelzimmer war HL2IWD ein junger, aber bereits in ganz Korea bekannter Augenarzt. Die offizielle Veranstaltung endete gegen 21 Uhr. Ich erwartete, dass ähnlich wie bei uns, anschließend eine lockere Abendveranstaltung läuft bei der es etwas zum Trinken geben wird. Aber weit gefehlt. Mein Mitbewohner sagte nur, wir gehen jetzt schlafen, da morgen früh einige interessant Vorträge auf dem Programm stehen. Was blieb mir übrig. Ich kannte niemand außer ihm und mein anderer Freund HL1APF war abwesend. Ich folgte höflich meinem Mitbewohner auf unser Zimmer. Wir waren kurz vor dem Einschlafem, als jemand an unsere Tür klopfte und 2 OMs betraten den Raum. Einer davon war JA3USA, den Zweiten OM kannte ich nicht. Meinem Doktor sagten sie, dass sie mich bitten, nach unten zu kommen, weil es dort ein technisches Problem zu lösen gibt, und sie sind bei der Lösung auf meine Hilfe angewiesen. Ich überlegte nicht lange und ging mit. Unterwegs, erkundigte ich mich nach den Einzelheiten. Sie sagten nur, dass sie nicht Näheres sagen können, was mich ein wenig beunruhigte, da ich nicht gerade der Technik Freak bin. Wir betraten einen Raum und was konnte ich dort sehen? Ein Bild wie zu Hause: auf dem Tisch eine Flasche Soj (koreanischer Wodka), daneben kleine Vorspeisen. Das einzige technische Problem der OMs war: wie können sie mich einladen ohne meinen etwas steifen Mitbewohner mitzubringen. Die Veranstaltung ging bis zum frühen Morgen und die kühlenden Getränke gingen nicht aus.

Einige Zeit danach besuchte ich Saipan, (KH0). Für uns ist es eine recht exotische Ecke der Welt, aber trotzdem gibt es dort Funkamateure. Die malerische Insel ist nicht sehr groß (30 mal 8km). Ich mietete ein Auto, um die 200 m hohe Felswand zu besichtigen, wo am Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 20 Tausend Japaner, auf Befehl des Kommandanten Selbstmord begangen. Sie Sprangen aus großer Höhe ins Wasser, um sich nicht den Amerikanern zu ergeben. Ganze Familien sprangen dort geschlossen in den Tod. Nach der Rückgabe meines Autos, sah ich zufällig neben einem kleinen Laden eine Yagi-Antenne. Nach einer Weile lernte ich Jun, WH0W seine Frau und seine Söhne kennen. Es stellte sich heraus, dass wir ein vor einigen Jahren ein QSO hatten. Er funkte damals noch unter WH0AAV. Jun ist Filipino, lebt aber seit langer Zeit auf Saipan. Als er erfuhr, dass ich ein amerikanisches Rufzeichen habe, lud er mich ein, an seiner Station zu arbeiten. So machte ich die ersten QSOs als KH0/KB9LQG. Da ich zweimal pro Monat nach Saipan flog sind meine Besuche in seinem Check recht häufig gewesen. Nach einiger Zeit änderte ich mein „Chicago-Call“ KB9LQG in WH0EWX. Während dieser Besuche machte ich ca. 5000 QSOs und obwohl sie mehr als 7 Jahre zurück liegen, bekomme ich immer noch QSLs für diese Aktivität. Natürlich versuchte ich viele polnische Stationen zu arbeiten. Ich gab oft die QRG, auf der ich hörte, in Polnisch durch. Es half aber nur für einen Augenblick, denn nach ein paar QSOs fanden die anderen OMs diese Frequenz heraus und das Pile-Up begann erneut.

Bei einem Besuch in Anchorage Alaska rief auf einem lokalem Relais CQ. Es antwortete Mark, KL7TQ. Ich traf mich mit ihm und lernte bei diesem treffen einige Mitglieder der Clubstation KL7AA kennen. Ich war von der Menge der in der Club-Station aufgebauten Geräte sehr beeindruckt. Ich zählte mindesten 5 K3, und es gab auch einen IC-7800 dazu verschiedene Endstufen. Es stellte sich heraus, dass der Verein von der University of Alaska gesponsert wird, und ihr Jahresbudget 100.000 Dollar beträgt. Es gibt sogar ein eigenes Wohnmobil, das "Car Haus" genannt wird und das als "Außenposten" des Clubs fungierte. Es steht an einem See und man erreicht es, für Alaska nicht unüblich, nur mit einem Flugzeug. In Alaska gibt es wahrscheinlich mehr Flugzeuge als Autos und fast alle sind für eine Wasserlandung ausgestattet. Die „Location” dient nicht nur dem Amateurfunk, sondern auch zur Erholung der Clubmitglieder an Wochenenden und Feiertagen. Von dort wird vorrangig auf den unteren Bändern gearbeitet, aber leider nur im Frühling, Sommer und frühen Herbst. Im Winter ist der Standort nicht erreichbar und danach, müssen erst einmal alle Schäden an den Antennen beseitigt werden.

Unsere Treffen in Krolowa Wola

Als ich mit der Arbeit für die polnische Fluglinie LOT begann und nach Warschau umziehen musste, habe ich gelernt, was es für einen OM bedeutet, ein Haus auf dem Lande zu haben. Ich entschied mich für das Dorf Krolowa Wola (Königin des Willens), das in der Nähe von Tomaszow Mazowiecki liegt. Ich kam dorthin im Jahr 1988 und baute meine ersten Antennen auf: ein Dipol für 80m und eine Grundplane für 2m. Anfänglich war ich nicht sehr aktiv aber mit der Zeit lernte ich auf UKW die einheimischen OPs kennen. 1991 beschloss ich, dass es an der Zeit ist, alle persönlich kennen zu lernen. Also lud ich alle Bekannten zu einem Meeting ein. Sie wollten alle zusammen zu kommen. Der Grund dafür war, dass nur Stefan SP7ARI (SK) behauptete, die genaue Lage meines QTHs zu kennen. Ich koordinierte die gesamte Anreise auf UKW. Um die Reichweite meiner Handfunke zu vergrößern kletterte ich dazu auf einen Birnbaum und bald kamen zu mir an: SP7TEJ, SP7BSY (SK), SP7UTV (SK), SP7OGP, SP7OGR, SP7HIW, SP7OGT, SP7DRV und SP7SZW. Ein Lagerfeuer war schon vorbereitet. Nach einer Weile begannen meine Freunde unruhig zu werden, da SP7ARI, der den Weg am besten zu kennen glaubte, immer noch fehlte und zu allem Unglück hatte er das Essen und die die Wodkaflaschen in seinem Auto mitgenommen. Es war aber halb so wild, da auch ich auf den Besuch gut vorbereitet war. Nach einer Weile haben wir mit dem „Kühlen der Kehlen” begonnen. Stefan kam mit einer halben Stunde Verspätung und tausend Entschuldigungen warum er sich verspätet hatte.

Die Tradition dieser Treffen dauert bis heute an und das im „Funken und Feiern erfahrenes Team“ trifft sich jährlich bei mir. In den letzten Jahren kamen auch OMs aus Sieradz, Lask, Piotrkow, Bełchatów und Radom dazu. Zu ihnen gehören: Jurek SP7NJT, und mein "Funkpate" Andrew, SP7IXT sowie SP7GAQ, SP7GTA, SP7HMH, SP7HNP und SQ7FJN. Manchmal kommt auch Leszek, SP3DOI der durch seine vielen DXpeditionen, viele interessante Geschichten zu erzählen hat. Mehrmals habe ich auch Besuch von Chris SP7GIQ, Przemek SP7VM sowie einigen OMs aus den USA: N9VTB, N2LLM und WQ7X war. Co-Gastgeber dieser Treffen ist oft SP5XAO mein Schwager, den ich dazu bringen konnte eine Lizenz zu machen. Unsere Treffen bieten viele Gelegenheiten zum Reden und von meiner Station zu funken. Sie ist recht gut ausgestattet ist: Eine 4 Element Qubical Quad auf einem 15 m Mast und einige Vertikalantennen 160, 80 und 40 m.

Zu einem dieser Treffen brachte Janek, SP7SZW, ein pensionierte Polizist, einige Böller und Raketen mit. Nach reichlich Bier und Wodka machte er den Vorschlag, ein wenig Feuerwerk zu machen. Die Ballerei dauerte recht lange und am nächsten Morgen gab es von meinem Schwiegervater einen gewaltigen Anpfiff. Die Nachbarn hätten sich massiv über die „Schüsse“ beschwert. Ich entschuldigte mich und versprach Besserung.
Nach einiger Zeit änderte er aber seine Meinung. Nachdem viele der Gartenhäuser in der Nachbarschaft von Jugendliche aufgebrochen wurden und nur unsere Laube nicht, gab es dafür nur eine Erklärung. Im Dorf wurde erzählt, dass alle Bewohner großen Respekt vor diesem Anwesen hätten, da der Besitzer und seine Freunde alle ex Soldaten wären und womöglich Waffen hätten. Natürlich widersprach ich der Dorfmeinung nicht. Ab und zu wurde ich gefragt, ob nun auch die zivilen Piloten eine Waffe haben.
„Ich darf nicht darüber reden“ lautet meine Standartantwort. Und die Fragenden nicken verständnisvoll mit dem Kopf.
Um die Sicherheit meines Grundstücks zu erhöhen, hing ich eine von der Strasse gut sichtbare und nachts beleuchtete Tafel:
" ACHTUNG, Zutritt verboten, geschützter Bereich, Hochspannung“
Und ich sage euch, es funktioniert. Bis jetzt gab es keinen Einbruch.
Von meinem QTH versuche ich, so oft es geht an verschiedenen Contesten teilzunehmen. Es geschieht mehr um mein Call bekannt zu machen, als zu gewinnen. Viel mehr Freude bereiten mir der Antennenbau und das DXen. Mein DXCC-Stand liegt bei 302 gearbeiteten und 274 bestätigten Ländern. Ich arbeite nach dem Motto: wenn ich jetzt schon alle Länder erreiche, wonach soll ich später noch jagen? Sicherlich kann ich meine Freunde Andrzej, SP7GAQ und Bogdan, SP7DRV nicht mehr einholen.
Mit Andrzej gab es eine lustige Begebenheit. Nicht für ihn aber für seine Freunde. Andrzej bringt zu jedem Treffen sein QSL-Album und sein Abzeichen "Honor Roll" mit. Er kann darauf zu recht stolz sein. Einmal tat ein OM so, als ob das Album ins Lagerfeuer werfen wollte. SP7GAQ stand da als ob er vom Blitz getroffen wurde, und es dauerte sehr lange bis er sich wieder beruhigt hat.

Was hat mir der Amateurfunk gebracht?

ich machte dadurch meine Kindheitsträume wahr. Es half mir Englisch zu lernen. Durch die Begeisterung für die Technik schaffte ich, einen sehr guten Job in einem solchen anspruchsvollen Arbeitgeber wie Singapore Airlines zu bekommen. Ich bin einer von nur 2 polnischen Kapitänen die einen 747 Jumbo Jet fliegen.

Durch den Amateurfunk lernte ich viele interessante Menschen aus aller Welt kennen, die ich durch meinen Beruf auch persönlich treffen konnte. Sie zeigten mir Orte und Dinge, die für einen durchschnittlichen Besucher einfach nicht erreichbar sind. In erster Linie denke ich an Länder wie Korea, China und Thailand. Es sind recht verschlossene Gesellschaften und einen Zugang zu den Menschen dort zu bekommen, braucht normalerweise sehr lange. Ich erreichte es schneller, aufgrund der Zugehörigkeit zum Amateurfunk Comunity und des Ham Spirit.

Schließlich gibt es noch einen großen Vorteil, der heute oft übersehen wird. Der Amateurfunk hat mir geholfen, mich ständig in der Technik weiter zu entwickeln. Ich schreibe es nicht ohne Grund. Nur wenige von uns werden mit der immer schnell werdenden Entwicklung der Technik mithalten können. Ich bewundere die OMs, die es schaffen, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten. Ich habe keine Zweifel daran, dass irgendwann der Amateurfunk an Bedeutung verlieren wird. Ich bin auch sicher, dass immer eine Handvoll Enthusiasten übrig bleibt, die zugegebenermaßen ihr Handy für die Anbahnung von QSOs verwenden wird, aber das QSO dann auch wirklich stattfindet. Ich habe leider keinen Nachfolger in meiner Familie. Ich konnte meinen Sohn nicht mit dem Funkbazillus anstecken, aber die Niederlage ist nicht vollständig, weil er wenigsten als Pilot arbeitet und damit die andere Familientradition erhalten bleibt.

Und ich? Nun, ich werde niemals aufhören Antennen aufzuhängen und zu funken. Mein Kollege Wlodek, SP5DDJ beantwortet die Fragen nach dem, warum er Amateurfunk macht mit dem Satz:
„Das Funken wurde mir in die Wiege gelegt, ich bin damit groß geworden und ich werde damit sterben“
und ich füge immer hinzu: hoffentlich möglichst spät.

Marian Rybczyński, SP5EWX